Hotel 25hours im ehemaligen Amt für Strom- und Hafenbau. © Christian Richters

Weiterbauen XIV

Die 14. Ausgabe unserer Reihe 'Weiterbauen', einer Kooperation der Freien Akademie der Künste, dem Denkmalschutzamt, dem BDA Hamburg und der Hamburgischen Architektenkammer, widmet sich insgesamt sieben Baumaßnahmen, die sich durch interessante, z. T. auch überraschende Umnutzungskonzepte auszeichnen.
Den Auftakt bildet das älteste Bauwerk in der sich heute im Umbruch befindlichen City Nord, das einen Weg vom Bürogebäude zum Boardinghouse hinter sich hat. Das älteste Gebäude der Hafencity, das ehemalige Amt für Strom- und Hafenbau, ist heute ein maritim anmutendes Hotel.
Zwei bereits umgenutzte Bauten erfahren in diesen Tagen eine abermalige Weiterentwicklung: Die Zeisehallen erhalten nach dem Auszug des Instituts für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg einen Lebensmittelmarkt und in den Mittelbau der ehemaligen Oberpostdirektion am Stephansplatz zieht u.a. ein Fitnesscenter.
Eine aufwändige Revitalisierung sowie einen zusätzlichen Baukörper erhielt das Ensemble um das Finnlandhaus an der Esplanade und unter dem Vermarktungsnamen "Quality Street" entstehen in einem ehemaligen Druckereigebäude unweit des Eppendorfer Marktplatzes hochwertige Eigentumswohnungen. Komplettiert wird die Reihe schließlich durch einen Besuch des behutsam sanierten Laeiszhofes am Rödingsmarkt.

Für alle Veranstaltungen gilt:
Eine verbindliche Anmeldung ist zwingend erforderlich bis spätestens sieben Tage vor der jeweiligen Veranstaltung per Fax an (040) 32 69 29 oder per eMail an . Begrenzte Teilnehmerzahl nach Reihenfolge der Anmeldungen. Informationen zum jeweiligen Treffpunkt erhalten Sie bei Anmeldung. Unkostenbeitrag 5,– Euro pro Person und Veranstaltung, fällig bei Anmeldung.

Programmheft als pdf:


Mittwoch, 2. Mai 2018, 16 Uhr
Umbau Firmenzentrale Claudius Peters AG zu Boarding House
Gerd Mevius (Partner Mevius Mörker Architekten)
Ulrike Wessel (Niederlassungsleiterin ISARIA Wohnbau AG)
Dietmar Ridder (Denkmalschutzamt Hamburg)
Das 1966 fertig gestellte, von den Architekten Peter Neve und Herbert Sprotte geplante Bürogebäude am Kapstadtring 1 war das erste Gebäude der neuen Geschäftsstadt City Nord. Mit seiner Stahlbetonskelettbauweise, den schmalen, herausgezogenen Geschossdecken, der aufgeständerten Bauweise und der strengen Nord-Süd-Ausrichtung repräsentierte es eindrucksvoll die moderne Bürohausarchitektur der frühen 1960er Jahre. Der damalige Bauherr, die Claudius Peters AG, nutzte das Haus als Verwaltungssitz, bis 1987 der Unternehmenssitz nach Buxtehude verlegt wurde. Das Gebäude wurde danach als eine Außenstelle des Landgerichts Hamburg genutzt. Nachdem auch das Gericht die Räume verließ, stand das Haus einige Jahre leer, bevor es nunmehr die Isaria Wohnbau AG durch die Architekten Mevius Mörker in Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt zu einem Boardinghaus mit 143 Apartments umbauen ließ. Für die neue Nutzung wurde nicht nur das Innere, sondern auch das Äußere erneuert. Die neue Fassade entspricht mit 3-fach-Verglasung und Sonnenschutzlamellen den aktuellen technischen Standards, stellt bei aller Innovation aber auch das ursprüngliche Erscheinungsbild des Gebäudes wieder her. Im Inneren wurden unter anderem die Treppenhäuser, die Vertäfelung, die Böden und das große Aktenarchiv im Untergeschoss erhalten und restauriert.


Mittwoch, 16. Mai 2017, 16 Uhr
Rewe Markt in den Zeisehallen
Christian Herbert (Kunst + Herbert, Büro für Forschung und Hausbau)
Bastian Hämmerle (Procom Invest)
Alexander Krauß (Denkmalschutzamt Hamburg)
Einmal mehr erfahren die ab 1882 erbauten Werkhallen der Schiffsschraubenfabrik Zeise in Ottensen eine Umnutzung. Im Fokus unserer Führung steht die von F. Beyerstedt geplante nördliche Halle. 1882 erbaut, 1898 erweitert und im Jahre 1901 um die von Schaar & Hinzpeter geplante südliche Halle erweitert erhielten Teile der Gebäude 1923 eine neue Backsteinfassade, entstandene Kriegsschäden wurden 1948 bis 1950 beseitigt. Nach der Insolvenz der Zeise-Fabrik 1979 standen die Hallen zunächst mehrere Jahre leer und drohten zu verfallen. Ab 1985 wurde unter Federführung von me di um architekten mit einem als vorbildlich geltenden, umfangreichen Umbau begonnen, dessen letzte Abschnitte erst 1993 beendet wurden. Die nördliche Halle erhielt ein Restaurant und Einrichtungen für Film und Theater, die südliche Halle wurde in eine Passage mit Läden, Kino und Büros umgebaut. Das ehemalige Werk II behielt seine charakteristische Backsteinfassade, wurde aufgestockt und für Unternehmen der Medienbranche und gastronomische Nutzung umgebaut. Nach Auszug des Instituts für Theater, Musiktheater und Film der Universität Hamburg 2013 stand die Nordhalle leer. Auf den rund 1.300qm Fläche ist nun nach Plänen von Kunst + Herbert ein moderner, erlebnisorientierter REWE-Lebensmittelmarkt entstanden.


Mittwoch, 23. Mai 2017, 16 Uhr
Revitalisierung Finnlandhaus
Matthias Latzke
(Büroleiter Hamburg HPP Architekten)
NN (Dieter Becken, Hamburg)
Christoph Schwarzkopf (Denkmalschutzamt Hamburg)
Das Finnlandhaus, das 1966 nach Plänen von Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg in prominenter Lage an der Esplanade in nur 50 Meter Entfernung zur Binnenalster fertiggestellt wurde, ist nicht zuletzt aufgrund seiner innovativen Hängekonstruktion im Inneren und der eleganten, klassisch-modernen äußeren Erscheinung ein bedeutendes Beispiel für die Bürohochhaus-Architektur der Nachkriegsmoderne in Hamburg und steht seit 2002 unter Denkmalschutz. Das 50 Meter hohe Gebäude setzt sich aus zwölf Obergeschossen, mit darüber liegendem tragendem Technikgeschoss, einem ebenerdigen Pavillonbau, sowie zwei Untergeschossen zusammen. Im Zuge der Sanierung durch HPP Architekten wurde die Fassade denkmalgerecht neu hergestellt und das Gebäude energetisch und baulich den aktuellsten Anforderungen an Büronutzungen angepasst.


Mittwoch, 30. Mai 2017, 16 Uhr
25hours Hotel im ehemaligen Amt für Strom- und Hafenbau
Neil Winstanley (spine architects)
Patrick Moreira (Direktor 25Hours Hotels)
Albert Schett (Denkmalschutzamt Hamburg)
Das 1885/86 auf dem Grasbrook im entstehenden Freihafen erbaute und später mehrfach erweiterte Amt für Strom- und Hafenbau ist heute das älteste Gebäude der HafenCity. Nachdem das zur Hamburger Wirtschaftsbehörde gehörende Amt für Strom- und Hafenbau 2005 mit anderen Hafenbehörden zur Hamburg Port Authority (HPA) vereinigt wurde und 2006 den Speicher P in der Speicherstadt bezog, wurden die historischen Flächen frei. Während alle anderen Gebäude an der ehemaligen Dalmannstraße abgerissen wurden, wurde das inzwischen denkmalgeschützte ehemalige Amtsgebäude einer neuen Nutzung zugeführt. Beim Umbau zu einem Haus der Hotelkette „25hours“ mussten nicht nur strenge denkmalpflegerische Auflagen erfüllt werden, es galt auch einen Niveauunterschied von rund 4,5m gegenüber den auf Warften erbauten benachbarten Neubauten zu kaschieren, bestehende Fundamente und Bausubstanz zu ertüchtigen und das gesamte Gebäude mit einer Tiefgarage zu versehen. Beteiligte Büros waren Bolles + Wilson aus Münster, die auch den assoziierten Wohnturm nebenan entwarfen, und spine-architects aus Hamburg


Mittwoch, 6. Juni 2017, 16 Uhr
The Quality Street – Umbau einer Bonbonpapierfabrik und Neubauten für ein Wohnquartier
Frank Birwe (Partner KBNK Architekten GmbH)
N.N. (Projektwerke Hamburg)
Inmitten des gründerzeitlichen Eppendorf nahe dem Eppendorfer Marktplatz entstand in einem Hofbereich ein neues Wohnquartier mit 47 Wohnungen. Ein altes, jedoch nicht unter Denkmalschutz stehendes Bonbonpapier-Fabrikgebäude wurde dabei für Townhouse-Wohnungen umgebaut und um eine Penthouse-Etage aufgestockt. Im Inneren konnten das Stahltragwerk mit seinen gusseisernen Stützen sowie das Treppenhaus erhalten werden. Das historische Gebäude wird einfasst von zwei neuen Wohnhäusern mit Backstein-, Metall- und Putzfassaden.


Mittwoch, 13. Juni 2017, 16 Uhr
Mittelbau der ehemaligen Oberpostdirektion Am Stephansplatz
Udo Schaumburg (LH Architekten)
Jan Kuschnik (Geschäftsführer DWI Grundbesitz)
Christoph Schwarzkopf (Denkmalschutzamt Hamburg)
Die Oberpostdirektion Hamburg wurde in den Jahren 1883 - 1887 nach Entwürfen der Architekten Julius Raschdorff und August Kind sowie dem Oberbauleiter Ernst Hake erbaut. In der Formensprache der italienischen Renaissance entstanden zunächst die Gebäudeteile am Stephansplatz und anschließend der schmale Mittelbau für die Paketpost mit dem Postbetriebshof. Aufgrund technischer Weiterentwicklungen wurden im Jahre 1925 Teile des Mittebaus aufgestockt und ein Langbau auf Seiten des Dammtorwalls errichtet. Der Bereich zwischen den Gebäuden wurde mit einer Stahlkonstruktion (Eisenhalle) geschlossen, so dass ein auf zwei Ebenen befahrbarer Innenhof entstand, der auch auf der oberen Ebene über eine Rampe erreicht werden konnte. Nach insgesamt sieben Umbauphasen mit erheblichen Änderungen wurde das Gebäude in den 1980er Jahren für einen Museumsbetrieb umgebaut, ehe es 1997 in die Denkmalliste aufgenommen wurde. Nach Fertigstellung der Umbauarbeiten am Ostbau wurde 2014 für den Mittelbau der Oberpostdirektion ein Bauantrag eingereicht. Unter Erhalt der historischen Fassaden am Gorch-Fock-Wall und am Dammtorwall sowie der zwei bauzeitlichen Treppenhäuser und der Eisenhalle sollte eine moderne Neuplanung unter Erhalt des Gesamtcharakters des Ensembles entstehen. Der gesamte Mittelbau erhielt in diesem Rahmen eine zweigeschossige Tiefgarage für Stellplätze, Nebenräume und Technikflächen. Erdgeschoss und 1. Obergeschoss wurden für ein Fitnesscenter sowie für eine Gewerbenutzung hergerichtet. Die zentrale historische Halle wurde demontiert, aufgearbeitet und an Ort und Stelle als Erschließungshalle sowie als neue Verbindung zum Ostbau wieder eingebracht. Großzügige Deckenöffnungen verbinden die zwei Ebenen der Halle und inszenieren das Glasdach der ehemaligen Posthalle. Der Baukörper am Gorch-Fock-Wall wurde um eine gläserne, gerundete Aufstockung ergänzt, die bereits am Ostbau des Ensembles ausgeführt wurde. Der Gebäudeteil am Dammtorwall wurde über einer Fuge zur historischen Fassade um einen 5-geschossigen Aufbau erweitert, der eine Büronutzung aufnimmt und eine vorgehängte Elementfassade mit geschosshoher Verglasung erhielt.


Mittwoch, 27. Juni 2017, 16 Uhr
Umbau und Sanierung des Laieszhofs
KD. Zimmermann (AIS Architekten)
N.N.
(F. Laeisz GmbH)
Alexander Krauß
(Denkmalschutzamt Hamburg)
Die Reederei Laeisz, gegründet 1824, errichtete im Jahre 1897 den imponierenden Bau eines Kontorhauses am Nikolaifleet als Hauptsitz im Zentrum Hamburgs. Die damaligen Architekten Hanssen, Meerwein und Haller entwickelten am Fleet ein Kontorhaus, das sich in der Fassade auf mittelalterliche Materialien, Formen und Farben bezieht. Aus diesem Grund steht der Altbau seit langem unter Denkmalschutz und gehört zu den wichtigsten Gebäuden der Innenstadt. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde das Dachgeschoss komplett zerstört und nur „fachtechnisch“ wieder aufgebaut. Die ursprünglichen Giebel, Gauben und Dachformen sind damals nicht wieder hergestellt worden. Die Aufgabe des Umbaus war es, diese historische Lücke wieder zu schließen und das Dachgeschoss (ehemaliger Spitzboden ca. 250 qm groß) zu einer neuen, ca. 800 qm großen Bürofläche auszubauen. Dies erfolgte unter strengsten Auflagen nicht nur des Denkmalschutzes, sondern auch des Brandschutzes, da die neue Büroebene die Grenze von 22 m (Hochhausregelung) übersteigt. Der Ausbau des Dachgeschosses hatte somit wesentliche Veränderungen bzw. Erweiterungen im Brandschutz im gesamten Gebäude zur Folge. Grundgedanke des Aus- und Umbaus war es, die historische Gestaltung und Ausbildung des Gebäudes zu wahren und mit neuen architektonischen Elementen im Innenbereich zu ergänzen. Ein aus der Halle des Erdgeschosses aufgeschalteter Aufzug, verdeckt hinter einer „historischen“ Holztür, verbindet direkt das neu ausgebaute Dachgeschoss.


Die Programme der Reihe "Weiterbauen" in den vergangenen Jahren: