Foto: China Conservatory of Music, Beijing

Dienstag, 28. November 2017, 19 Uhr
In der Reihe "Tradition - was taugt das Alte noch?"
Vortrag und Uraufführung
Elmar Lampson
„Was ist neu an unserer Tradition?“
UA der Neufassung von Elmar Lampsons 3. Streichquartett mit einem einführenden Vortrag des Komponisten zum Thema. Mitwirkende: Baum Quartett Sun Shin (Violine), Onyou Kim (Violine), Daekyu Han (Viola) und Hang-Oh Cho (Cello)
Eintritt: 12,- / erm. 8,-
Anzahl:  

In den Künsten wiegt der Vorwurf des Traditionalismus schwer, erwarten wir von ihnen doch in der Regel das Widerständige, das Bahnbrechende, kurz: das Neue. Der Traditionalist gilt leicht als epigonal, unoriginell.
Andererseits ist keine Kultur, keine Kunst denkbar, die nicht auf Traditionen fußt, sie weiter entwickelt und fruchtbar macht, sei es kritisch oder bestätigend.
Die neue Reihe der Akademie will die Ambivalenz von Traditionen in Vorträgen und Gesprächen näher erkunden.
Nach dem Auftakt der Reihe, einem Vortrag des Architekturhistoriker Gert Kähler, widmen wir uns dieses Mal der Musik. Lange Zeit galt der Traditionsverdacht als schlimmer Makel eines Zeitgenössischen Komponisten. Was bedeutet die reiche musikalische Tradition für einen Komponisten und seine Arbeit aber tatsächlich? Dieser Frage geht Elmar Lampson nach, Komponist und Präsident der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Neben einem eigens entworfenen Vortrag werden seine Ausführungen durch die Uraufführung der Neufassung seines 3. Streichquartetts erhärtet, über das Lampson selber sagt:

 
 

" An meinem 3. Streichquartett habe ich mit vielen Unterbrechungen seit ungefähr 15 Jahren gearbeitet und das Material, das ich darin verwende, ist sogar noch wesentlich älter, denn dem ersten Satz liegt ein kleines Chorstück zugrunde, das ich bereits vor 31 Jahren, Anfang 1986, geschrieben habe. Und damit nicht genug der Vergangenheitsbezüge, denn das Quartett ist durchzogen von diatonischen Melodiebögen und im zweiten Satz, der den Titel „Scherzo und Litanei - Stimmen aus dem Alten Warschau“ trägt, erinnern prosodische Abschnitte an alte Sprechgesänge. Gleichzeitig ist in dieser Musik nichts alt oder hätte auch in früheren Zeiten so geschrieben werden können. Ich werde an dem Abend zeigen, wie sich die Perspektive auf die Tradition und die Frage, wozu das Alte noch taugt, völlig verändert, wenn man dem Motto von Heinz von Förster folgt: „Bitte nie zu sagen, ‚das ist langweilig, das kenne ich schon‘. Das ist die größte Katastrophe! Immer wieder sagen, ‚ich habe keine Ahnung, ich möchte das noch einmal erleben!‘“ Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem wunderbaren „Baum Quartett“ aus der Kammermusik-Klasse von Prof. Niklas Schmidt, das gerade den 2. Preis im „Salieri Zinetti Competition“ in Verona gewonnen hat.".